Biogasanlagen - neutral betrachtet
Was versteckt sich hinter dem Thema Biogasanlagen? Wie bei jeder Energiequelle lassen sich Pro- und Contra-Argumente finden. Dierk Bollin hat in der BU-Versammlung am 29. Juni versucht, Biogasanlagen aus einer neutralen Perspektive zu beleuchten.
Die Nutzung von Biogas zur Energiegewinnung bringt ohne Zweifel viele Vorteile mit sich. So werden vor Ort verfügbare, nachwachsende Rohstoffe verwendet. Sogar bisher wirtschaftlich nicht verwendbare Pflanzen(teile) wie Zwischenfrüchte und Kleegras können hier gewinnbringend eingesetzt werden. Der CO2-Ausstoß ist nahezu neutral, die Versorgung kann dezentral realisiert werden und die Leistung einer Biogasanlage ist steuerbar, d.h. mehr Nachfrage = mehr Leistung.
Aber die Verwendung von Biogas zur Energiegewinnung hat auch eine negative Seite. Die ausschließliche Nutzung von Pflanzenabfällen, Gülle, Mist, etc. ist nicht ausreichend. Zum wirtschaftlichen Betrieb einer Biogasanlage werden große Mengen an Silomais benötigt. Eine Anlage mit 500 Kilowatt benötigt ca. 300 ha Anbaufläche für Mais. Solche Monokulturen verändern durch die Intensivierung des Anbaus nicht nur das bisherige Landschaftsbild sondern führen auch zu Boden- und Grundwasserbelastungen und bei fehlender Entschwefelung auch zu Geruchsbelästigungen.
Auch die Standortfrage für Biogasanlagen will gestellt sein. Um die Abwärme sinnvoll einzusetzten, sollte eine Biogasanlage in ein Nahwärmenetz eingebunden werden. Dieses Prinzip funktioniert auch mit anderen Energieträgern. So werden in Borgholzhausen demnächst mehrere öffentliche Gebäude mit einer Hackschnitzelanlage beheizt. Wegweisend war die hessische Gemeinde Jünde. Hier wurde die Entscheidung für eine zentrale Biogasanlage für ein Nahwärmenetz getroffen, an dem 70% der Anwohner angeschlossen sind.
Wer trift die Entscheidung für und gegen Biogasanlagen? Hier sind die Landwirte gefragt, die für sich entscheiden müssen, wie sie ihre Flächen wirtschaftlich Nutzen. Ausschlaggebend ist hier auch die Förderpolitik der EU und des Bundes. Politik und Verwaltung in Borgholzhausen kann und muss hier begleitend tätig sein, um vor Ort sinnvolle und verträgliche Lösungen zum Wohle aller zu finden.
Die BU wird das Thema regenerative Energien weiter verfolgen und immer wieder ins Gespräch bringen. Die Präsentation vom 29.06. ist in Kürze hier abrufbar.
30.06.2009