Borgholzhausen 2020
Wie entwickelt sich Pium? - Demografie, Wohnbebauung, Einzelhandel am Hardenberg
In den letzten beiden Sitzungen des Ausschusses für Planungs- und Bauangelegenheiten wurde von Seiten des Bürgermeisters suggeriert, dass dringender Handlungsbedarf besteht, neue Flächen für Wohnbebauung auszuweisen und dem Drängen eines Investors nachzugeben, gegenüber der Shell-Tankstelle einen Discounter, eine Drogerie und einen Textilanbieter zu etablieren. Pium müsse dringend wachsen!
Da die im Zwischenbericht zum Flächenmanagement des Planungsbüros Tischmann & Schrooten vorgestellten Zahlen zur demografischen Entwicklung fragwürdig sind und sich uns die Frage gestellt hat, ob Pium überhaupt ein realistisches Wachstumspotential hat, haben wir das Büro für Kommunal- und Strukturanalyse von Dr. Keil beauftragt, Aussagen zur demografischen Entwicklung von Borgholzhausen zu treffen. Dr. Keil war bis 2007 für die Regionalplanung der Bezirksregierung Detmold verantwortlich und hat in einem erheblichen Maße dazu beigetragen, dass in Nordrhein-Westfalen inzwischen kleinräumige Prognosen und Analysen möglich sind.
Die Zweifel an den verwaltungsseitig vorgestellten Zahlen haben sich bestätigt. Auf Basis realistischer Prognosen ist eine Abnahme der Bevölkerungszahlen unumgänglich. Ein gewisser Bedarf an neuem Wohnraum, um einerseits auf Nachfrage am Markt reagieren zu können und andererseits auf sich verändernde Haushaltsstrukturen reagieren zu können, steht außer Frage. Dieser Bedarf kann allerdings durch das bestehende Potential gedeckt werden. Hier sind neben diversen Baulücken die Gebiete der anstehenden Umlegungsver-fahren „Am Hohen Garten" und „Klockenbrink/Kampgarten" sowie perspektivisch das „Poppenburg-Gerlände" zu nennen. Nach den derzeitigen Erkenntnissen ist ein Bedarf für die Ausweisung zusätzlicher neuer Baugebiete nicht erkennbar.
Die Pläne eines Investors sehen am Hardenberg die Errichtung eines Einzelhandelskomplexes und eines Wohngebietes vor. Es ist zu befürchten, dass gerade zusätzliche Nahversorgungseinrichtungen zu einem Verdrängungswettbewerb führen, der zu einer Zerstörung Borgholzhauser Existenzen und damit verbunden zu Leerständen im Ortskern führen kann. Dies bestätigt sich auch in Gesprächen mit mehreren Piumer Einzelhändlern. Als lärmschützender Puffer zwischen L785 und geplanten Wohnhäusern wird die Einzelhandelsbebauung allerdings benötigt. Aus Investorensicht ergänzen sich Wohnen und Einzelhandel perfekt, für Borgholzhausen ist es eine Planung jenseits aller Bedarfe. Weiter führt eine Bebauung an dieser Stelle zu einer Zerstörung der Stadtansicht vom Hermannsweg aus bzw. des uneingeschränkten Blicks auf den Teutoburger Wald als Gegenpol zur Einfahrt in den Ortskern, was eine touristische Beeinträchtigung bedeutet.
Aufgrund der Tatsache, dass Borgholzhausen nicht unbegrenzt wachsen kann, für neue Wohnbebauung genügend Reserven vorhanden sind bzw. geschaffen werden und die Ausweisung neuer Flächen für den Einzelhandel eine Bedrohung für die ansässigen Geschäftsleute darstellt, sprechen sich die Borgholzhauser Unabhängigen gegen jede weitere Planung von Bebauung am Hardenberg aus. Wir setzten uns für eine maßvolle und nachhaltige Stadtentwicklungsplanung ein.
08.02.2011